Lücken im Lebenslauf- sinnvoll füllen ? (mit Beispiel-Lösungen)

Lücken im Lebenslauf waren früher oft ein KO-Kriterium für eine Bewerbung. Heutzutage gibt es immer mehr Lebensläufe mit Lücken. Personalentscheider wissen das und es geht nicht darum die Lücken zu kaschieren oder zu lügen, sondern plausibel zu erklären und nach Möglichkeit mit sinnvollen Tätigkeiten zu füllen. In der Bewerbung kann herausgearbeitet werden, wie die Lücke sinnvoll genutzt wurde und welche Vorteile das für den Arbeitgeber hat. Wie das geht, wird in diesem Artikel erklärt, auch anhand praktischer Beispiele wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Elternzeit oder Studiengangswechsel.

 

Wichtige Fakten zu Lücken im Lebenslauf

  • Ein Zeitraum von 2 Monaten gilt noch nicht als Lücke im Lebenslauf und muss auf keinen Fall begründet werden. Auch 3 Monate werden von Personalentscheidern in der Regel kommentarlos akzeptiert, ohne dass die Lücke begründet werden muss.
  • Selbst eine Jobsuche von 4-5 Monaten ist heutzutage je nach Beruf und Branche nichts Ungewöhnliches und kann so einfach begründet werden.
  • Das Gesamtbild ist wichtig: Gibt es nur eine Lücke oder gibt es eine Patchwork-Biografie?
  • Einfache Lücken wie ein Studiengangswechsel oder eine einmalige Arbeitslosigkeit von ein paar Monaten sind unproblematische Lücken, lassen sich einfach begründen und entsprechend darstellen. Das sollte kaum relevant für die Bewerbung sein.
  • Je länger eine Lücke im Lebenslauf zurück liegt, um so weniger bedeutsam ist sie für die aktuelle Bewerbung.
  • Bei Patchwork-Lebensläufen ist mehr Aufwand notwenig, um die Bewerbungsunterlagen passend zur Stelle aufzubereiten. Dafür bietet der Arbeitsmarkt besondere Chancen für diese Bewerber.
  • Lücken sollten benannt und erklärt werden. Kaschieren oder Lügen im Lebenslauf bringt nichts. Dazu ein Beispiel im nächsten Abschnitt, welche Nachteile das Kaschieren einer Lücke im Lebenslauf haben kann.

 

Beispiel 1 – Lücke durch Arbeitslosigkeit

Ein Bewerber hat jahrelang in einem Job gearbeitet und ist seit einem Jahr arbeitslos.
Seit 6 Monaten besucht er eine Weiterbildung und sucht einen neuen Job.

Wie stellt der Bewerber diese Situation in seinem Lebenslauf dar?

Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Den Lebenslauf chronologisch darzustellen, damit die Lücke nicht an oberster Stelle steht.
    Nachteile/Gefahren:
    Personalentscheider sind es mittlerweile gewohnt, die aktuellste und hoffentlich wichtigste berufliche Erfahrung an oberster/erster Stelle im Lebenslauf zu lesen, d.h. in anti-chonologischer Reihenfolge.
    Die wichtige und langjährige Erfahrung rutscht bei einer chronologischen Auflistung eventuell weit nach unten oder auf die zweite Seite des Lebenslaufes, die von Personalentscheidern oft nur noch überflogen wird.
  2. Den Lebenslauf in der Zwischenüberschrift anpassen. Diese Variante ist aus Sicht der Personalentscheider der bessere Weg: statt „Beruflicher Werdegang“ o.ä. Wird die Überschrift erweitert zu „Berufliche Erfahrungen und aktuelle Weiterbildung.“ Eine gute Liste von Überschriften/Zwischenüberschriften für die Gliederung des Lebenslaufes finden sich hier.

 

Sinnvolle Formulierungen bei Arbeitslosigkeit

Negativ wirkt die Verwendung von „Arbeitslos“ oder „Arbeitslosigkeit.“

Aktiver wirken diese Formulierungen:
– Arbeitssuchend
– Bewerbungsphase
– Berufliche Neuorientierung
– Berufliche Neuorientierung mit dem Ziel …

 

Lebenslauf-Lücken sinnvoll füllen

  • Selbststudium (lesen von Fachbüchern und Fachzeitschriften, Gasthörer an der Universität, Kurse, Praktika)
  • Weiterbildungen*
  • Sprachkurse
  • Neben- und Aushilfsjobs
  • Reise, Auslandsaufenthalt → interkulturelle Kompetenzen, Sprachkenntnisse (sollten dann auch beim Vorstellungsgespräch abrufbar sein, z.B. überraschender Wechsel ins Englische!)
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Vorbereitung auf eine Ausbildung oder das Studium
  • Praktika

 

Tipp

Wichtig und sinnvoll ist es, dabei den Bezug zur angestrebten Tätigkeit herzustellen beziehungsweise in den Bewerbungsunterlagen herauszuarbeiten. Zum Beispiel vertiefte Sprachkenntnisse bei einer Reise. Doch Vorsicht: Eventuell springt der Personalentscheider dann beim Vorstellungsgespräch plötzlich ins Englische.

 

Was nichts bringt: Lücken nachträglich zu füllen

Kaschieren oder lügen bringt nichts. Die Lücken fallen Personalentscheidern oft schon beim Sichten der kaschierten Bewerbungsunterlagen auf, z.B. wenn nur Jahresangaben gemacht werden oder gar kein chronologischer Lebenslauf eingereicht wird und stattdessen ein Erfahrungs- oder Leistungsprofil.

Spätestens im Bewerbungsgespräch wird es dann immer schwieriger zu lügen. Denken Sie an Ihren guten Ruf und Ihre Glaubwürdigkeit. Außerdem kann eine falsche Angabe auch nach Ende der Probezeit ein Kündigungsgrund sein.

Stattdessen kommt es darauf an, die Lücken im Lebenslauf schlüssig zu erklären und begründen. Dazu kann auch gehören, eigene Fehler einzugestehen. Dann kommt es darauf an, zu beschreiben was man aus der Situation gelernt hat.

 

7 weitere Beispiele – typische Lücken im Lebenslauf

Anhand von weiteren Beispielen wird beschrieben, wie Sie optimal mit der Lücke in Ihrem Lebenslauf umgehen und Ihre Bewerbung formulieren.

 

Lücke durch Krankheit

Krankheit ist ein heikles Thema und die Nennung der Erkrankung hängt stark von der Art der Erkrankung ab, wobei es keine Pflicht gibt, die Erkrankung selbst zu benennen.

Ein Unfall, zum Beispiel, kann einfach mit „vollständige Rehabilitation nach Unfall“ beschrieben werden.

Bei psychischen Erkrankungen oder chronischen Krankheiten kann die Formulierung gewählt werden „Auszeit aus gesundheitlichen Gründen, inzwischen vollständige Genesung und Einsatzbereitschaft“.

Tipp

Um keinen Spielraum für Vermutungen aufkommen zu lassen, greifen Sie die Lücke im Anschreiben der Bewerbung auf, zum Beispiel: „Nachdem ich ein Jahr krank war, bin ich vollständig genesen und freue mich darauf, mich wieder mit voller Kraft beruflich zu engagieren.“

Weitere Tipps zur Lücke wegen Krankheit gibt Svenja Hofert auf Karriere.de

 

Pflege von kranken Angehörigen

Auch bei der Pflege von Angehörigen sollte der genaue Zeitraum im Lebenslauf angegeben werden, zum Beispiel:

09/13 – 11/14                   Pflege der schwer kranken Mutter

 

Tipp

Gut ist es, wenn Sie sich in dieser Zeit beruflich auf dem neuesten Stand gehalten haben oder sich weitergebildet haben, zum Beispiel durch ein Selbststudium, zusammengestellt aus dem Besuch von Fortbildungen und dem Lesen von Fachliteratur.

 

Auszeit oder Sabbatical

Wer sich jahrelang beruflich engagiert hat, kann sich ohne schlechtes Gewissen und hoffentlich ohne Knick für die Karriere eine Auszeit gönnen.

 

Elternzeit statt Kinderpause oder Erziehungsurlaub

Von Pause oder Urlaub kann nicht die Rede sein, deshalb sollten die Bezeichnungen „Kinderpause“ oder „Erziehungsurlaub“ vermieden werden und mit „Elternzeit“ benannt werden. Zeit mit dem eigenen Kind oder den eigenen Kindern zu verbringen ist eine anspruchsvolle Aufgabe die viel Kraft und Energie braucht und eine Menge Präsenz erfordert, wenn der „Job“ verantwortungsvoll gemacht werden will.

 

Studiengangwechsel oder Bewerbungsphase nach dem Studium

Ein Studiengangwechsel ist kein Problem und Personalentscheider verstehen auch, wenn die Suche nach dem ersten Job länger als 2 Monate dauert.

Wie bei der Lücke durch Arbeitslosigkeit auch, kommt es darauf an, die Zeit sinnvoll zu nutzen und das in der Bewerbung darzustellen.

 

Jobhopping und Patchwork-Biografie

Bei so einer Biografie ist es besonders wichtig, eine Verbindung zwischen den eigenen beruflichen Erfahrungen und praktischen Kompetenzen und dem gewünschten Stellenprofil herzustellen, zum Beispiel anhand von Fähigkeiten wie Flexibilität und Offenheit für Neues.

Wie kann das in der Bewerbung dargestellt werden?

Weiter helfen die Tipps zur Erstellung eines Bewerbungsanschreibens und eventuell auch eine persönliche Beratung durch ein Bewerber-Coaching.

Beispiel für den Lebenslauf

Statt viele kurze Beschäftigungszeiträume aufzulisten, kann es sinnvoll sein, die Tätigkeiten zusammenzufassen, z.B. als Jobben in einer Branche. Dadurch gewinnt der Lebenslauf an Übersichtlichkeit, was Personalentscheider zu schätzen wissen.

Tipp

Bei klein- und mittelständischen Unternehmen haben Bewerber mit mehreren Brüchen oder Lücken im Lebenslauf oft bessere Chancen einen Job zu finden, als bei großen Konzernen, da diese weniger Bewerbungen bekommen.

Fazit – Lücken differenziert betrachten

Nicht alle Zeiten der Nichtbeschäftigung sind automatisch „problematische“ Lücken im Lebenslauf. Viele vermeintliche Lücken sind unproblematisch:

  • Einmalige Lücken und kürzere Lücken
  • Lücken die lange zurück liegen
  • Eine Lücke durch Ausbildungsplatzwechsel
  • Eine Lücke durch Studiengangwechsel

 

Problematischere Lücken:

  • Lange Lücken
  • Lücken durch Krankheit, insbesondere psychische Krankheiten
  • Patchwork-Lebensläufe

 

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, die Bewerbungsunterlagen positiv und ehrlich aufzubereiten, für die passende Bewerbung.

„Wenn das Gesamtbild stimmt, akzeptieren viele Firmen und Personalverantwortliche auch Brüche und Auszeiten im Lebenslauf.“ Quelle

 

Hilfreiche Links zum Thema Lebenslauf

 

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